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CORONA – KANN MAN ZWEI MAL DARAN ERKRANKEN?

Könnte die Corona-Infektion Patienten nur wenige Tage nach der Genesung noch einmal treffen? Untersuchungen aus China und eine Meldung aus Japan legen das nahe. Eine neue Studie spricht dagegen.

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Eine erste Studie bestätigt die Immunität nach überstandener COVID-19-Erkrankung im Tierversuch. Das chinesische Forscherteam hatte vier Rhesusaffen mit Sars-CoV-2 infiziert. Die Tiere erkrankten sieben Tage nach der Infektion mit den Symptomen, die auch vom Menschen bekannt sind (Viren in Nase, Hals, Rachen, Lungenentzündung, Gewichtsverlust). Ein Tier wurde obduziert, um den Nachweis zu führen, ob die Lunge vom Virus befallen war. Die anderen erkrankten Affen wurden nach der Genesung – 28 Tage nach der ersten Infektion – erneut mit einer extrem hohen Dosis von Viren infiziert. Sie zeigten danach keine Krankheitssysmpome, auch konnten keine Viren in den Atemwegen oder dem Stuhl festgestellt werden. Die Studie ist noch nicht von anderen Wissenschaftlern geprüft, trotzdem können die Ergebnisse bei aller Vorsicht aufgrund der geringen Fallzahl als relevant betrachtet werden, so der Virologe Christian Drosten in seinem Podcast im NDR. “Und das ist auch das, was wir erwarten im Menschen, dass wir zumindest für die Dauer der Pandemie und wahrscheinlich noch eine Zeit lang darüber hinaus immun sind. Das ist auch meine Arbeitshypothese.”

Die Meldung in der vergangenen Woche klang beunruhigend. Chinesische Mediziner aus Wuhan hatten im Fachjournal “JAMA” über mehrere Fälle von Covid-19-Patienten berichtet, bei denen nach der Genesung wieder Coronaviren festgestellt wurden. Könnte die Infektion in zwei Phasen verlaufen? Wären Patienten in diesem Fall noch ansteckend? Und was ist mit der Immunität nach überstandener Infektion?

IMMUNITÄT FÜR MEHRERE JAHRE

Fangen wir mit der Immunität an. Erste Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die die Infektion überstanden haben, Antikörper besitzen und damit eine Immunität gegenüber dem Virus Sars-CoV-2 haben. Bisher ist allerdings noch nicht bekannt, wie lange diese anhält, so Prof. Dr. Isabella Eckerle, die am Universitätsklinikum Genf an neuen Viren forscht.

Wir wissen allerdings noch nicht, wie lange diese anhält. Wenn man eine Analogie zu den anderen Coronaviren annimmt, könnte man von einem Zeitraum von ein paar Jahren ausgehen: Bei SARS beispielsweise sind Antikörper drei bis fünf Jahre nachweisbar. Die Zeiträume sind also eher Jahre.

Prof. Dr. Isabella Eckerle, Universitätsklinikum Genf, Schweiz

Damit wird es unwahrscheinlich, dass sich genesene Patienten nach wenigen Tagen wieder anstecken können, so Eckerle.

VIRUS WEG – ABER NOCH NACHWEISBAR

Aber wieso haben die Tests dann das Virus nachgewiesen und ist das noch ansteckend für andere Menschen? Da gibt es viele Möglichkeiten, so der Mikrobiologe Prof. Dr. Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York. “Virale RNA kann oft lange nachdem das infektiöse Virus verschwunden ist noch nachgewiesen werden. Das kommt bei Masern vor, aber auch bei Zika und Ebola, obwohl dort auch infektiöses Virus oft länger nachgewiesen werden kann.” Die einfachste Erklärung für den Befund in den Untersuchungen sei, “dass die Proben zwischendurch negativ waren, weil etwas bei der Probennahme oder aber beim Testen schief gelaufen ist”.

Und damit sei auch nichts darüber ausgesagt, ob die laut den Untersuchungen neu Erkrankten dann ansteckend sind, so Krammer. Er erklärt es so: “Wenn infektiöses Virus vorhanden ist, kann eine Person eine andere anstecken. Allerdings muss die Viruslast dafür bei vielen Viren hoch sein. Was aber mit dem PCR-Test detektiert wird, ist nicht das Virus, sondern das Virusgenom. Und es kommt sehr wohl oft vor, dass noch Virusgenom vorhanden ist, aber kein infektiöses Virus mehr. Bei Masern ist das oft über Monate der Fall.”

UNTERSUCHUNG MIT “PORÖSER” GRUNDLAGE

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, ist von den Ergebnissen der Veröffentlichung nicht überzeugt. “Das einzige, was hier maßgeblich ist, ist der PCR-Nachweis. Der kann aber nach der ersten Symptomwoche bei Patienten schwanken: mal positiv, mal negativ, während die Lunge immer noch voller Virus ist, und zwar unabhängig von den Symptomen. Die ganze wissenschaftliche Grundlage dieses Papers ist porös.”

WAS IST DAS PCR VERFAHREN?

Das PCR-Verfahren wird in Laboren zur Untersuchung etwa von Erbkrankheiten oder Viruserkrankungen – wie Covid-19 – oder auch Vaterschaftstests angewandt. Seinen Namen hat es von der Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Das bedeutet, dass die Erbsubstanz in einem DNA-Strang mehrfach hintereinander vervielfältigt wird. Das Verfahren kann bereits geringe Virus-Mengen nachweisen, ist jedoch anfällig. Das Robert Koch-Institut empfiehlt daher: “Es sollten immer mindestens zwei Nachweisverfahren unter Verwendung interner und externer Kontrollen herangezogen werden, um ein falsch positives oder negatives Ergebnis zu vermeiden.“

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